Anspruch und Wirklichkeit

Mehr Effizienz im Gebäudebetrieb

Nur selten erfahren Fachplanende, ob ihre Anlagen auch wirklich so effizient funktionieren wie gedacht. Dabei ist das oft nicht der Fall. Einige vorbeugende Maßnahmen, darunter ein technisches Monitoring, können die Planung, den Betrieb und den Informationsrücklauf drastisch verbessern.

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Ein technisches Monitoring zeigt, ob die Anlagentechnik im Gebäude so effizient arbeitet, wie sie soll. Bild: Synavision
Ein technisches Monitoring zeigt, ob die Anlagentechnik im Gebäude so effizient arbeitet, wie sie soll. Bild: Synavision

Die Gebäudebranche versucht in großen Schritten effizienter und klimafreundlicher zu werden. Große Erwartungen werden bezüglich der Anlagen gehegt, die immer mehr mit immer weniger erreichen sollen. Dafür werden u. a. zunehmend komplexe Lüftungs-, Heiz- und Kühlsysteme entworfen. Das Risiko, dass diese Anlagen nur auf dem Papier wirklich effizient arbeiten, ist jedoch relativ hoch. In der Praxis zeigt sich, dass die Mehrheit der Gebäude 10 bis 30 % weniger effizient arbeitet als vorgesehen. Jedes Jahr werden so Milliarden Euro an Betriebskosten verschwendet. Je komplexer die Anlagen sind, desto größer ist meist die Lücke, die zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von der Planung über die Ausführung bis hin zum Betrieb.

Anforderungen an Gebäude genau definieren

Leider können Bauherren dem Planungsbüro nicht immer genau erklären, welche funktionalen Anforderungen sie an ein Gebäude haben und mit welcher Effizienz und mit welchem Komfort die Anlage laufen soll. Gerade im Bereich der Gebäudeautomation und des Raumkomforts ist es für Bauherren und Nutzer:innen sehr schwierig zu definieren, was sie überhaupt wollen, und zu erkennen, welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Die Temperatur soll einstellbar sein, aber was bedeutet das genau? Soll es eine Heizung mit Thermostatventil sein oder eine komplexe Einzelraumregelung mit kontrollierter Lüftung für jeden Raum? Das eine ist einfach und preiswert, das andere komplex und teuer. Eine zu pauschale Herangehensweise kann sich jedoch am Ende beim Gebäudebetrieb rächen, Unzufriedenheit hervorrufen und Nacharbeiten erfordern.

Bauherren sollten daher auf bestimmte Anforderungen festgenagelt werden. Dieses Ziel hat auch ein aktuelles Projekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt: Es soll standardisierte Anforderungen bezüglich unterschiedlicher Räume und Anlagen entwickeln. Bauherren können dann bei der Planung zwischen den verschiedenen Standards wählen und Planungsbüros bekommen dadurch präzise Vorgaben und auch mehr Sicherheit.

Nicht an der Messtechnik sparen

Wenn die Kosten eines Gebäudes aus dem Ruder zu laufen drohen, sparen Bauherren gern an der Messtechnik. Das hat aber zur Folge, dass das Gebäude später sozusagen im Blindflug betrieben werden muss. Es fehlen die notwendigen Sensoren und Daten, um zu erkennen, ob es überhaupt funktioniert. Nicht einmal bei der Abnahme ist feststellbar, ob man bekommt, was man bestellt hat. Dass man an der falschen Stelle gespart hat, zeigt sich dann erst nach dem Entstehen immenser Mehrkosten im Betrieb.

Vor einiger Zeit überprüfte die Firma Synavision mit einem technischen Monitoring etwa die Anlagen eines großen Laborgebäudes auf seine Effizienz hin. Dabei wurde festgestellt, dass eine von drei Lüftungsanlagen ohne Wärmerückgewinnung lief – und damit deutlich ineffizienter als vorgesehen. Ein Antrieb für Klappen war defekt, dadurch konnte die Wärme der Abluft nicht mehr zurückgewonnen werden. Das war niemandem aufgefallen und wurde auch nicht in der Gebäudeleittechnik angezeigt. Die Anlage hätte einen Temperatursensor hinter der Lüftung gebraucht und einen Prozess, der die Effizienzfunktion überwacht. Die Höhe der notwendigen Investition liegt bei unter 100 Euro, die Mehrkosten, die sich über die Jahre anhäuften hingegen im sechsstelligen Bereich. Ein technisches Monitoring beim Bau hätte dies verhindert. So lässt sich argumentieren, dass die Sensoren in der Mindestausstattung nötig und sinnvoll sind.

Genug Zeit für die Inbetriebnahme einfordern

Bei der Fertigstellung des Gebäudes muss jedes Gewerk zur richtigen Zeit fertig werden, soll es nicht zum Flaschenhals für die Inbetriebnahme der anderen Anlagen werden. Kommt es zu Verzögerungen, bleibt oft nicht genügend Zeit für die ausreichende Einregulierung der Anlagen, mit der Folge, dass sie ineffizienter arbeiten, als sie könnten. Schon Kleinigkeiten können große Unterschiede bei den Energiekosten machen.

Erfahrungswerte zeigen, dass heutzutage bei fast jedem Projekt zu wenig Zeit für die Inbetriebnahme eingeplant wird. Ein Qualitätsmanagement durch Synavision lange nach der Inbetriebnahme zeigt vielfach, dass Gebäude nicht richtig abgenommen und auch keiner Funktionsprüfung unterzogen wurden. In der Folge kann hier erst Jahre nach der Übergabe eine detaillierte Inbetriebnahme durchgeführt werden.

Für die Fachplanenden können Fehler bei der Inbetriebnahme unangenehm werden, sie sollten daher beim Bauherrn für eine ausreichende Inbetriebnahmephase werben. Bei einfachen Bürogebäuden sind das in der Regel drei bis vier Monate. Bei komplexen Labor- und großen Bürogebäuden kann das aber auch ein Jahr oder sogar mehr sein. Zudem sollte ein Puffer für mögliche Verzögerungen der anderen Gewerke eingeplant werden.

Aus dem Betrieb lernen, was funktioniert

Im Normalfall ist ein Projekt für die Fachplanung nach der Leistungsphase 8 abgeschlossen. Informationen darüber, wie gut die Anlagen am Ende wirklich funktionieren, finden ihren Weg kaum zurück. Ein technisches Monitoring kann jedoch dabei helfen, die nötigen Daten zu erheben und aufzubereiten, damit Planende aus Fehlern lernen und mit Erfolgen belohnt werden können. Das technische Monitoring stellt den Prozess bereit, um die Erkenntnisse aus dem Betrieb zu sammeln. Nachweislich gut funktionierende Gebäude, zertifiziert durch ein unabhängiges technisches Monitoring, sind eine hervorragende Referenz für die Akquisition.

Vor dem Hintergrund der EU-Taxonomie müssen Gebäude effizienter und der Bausektor schneller bei der richtigen Modernisierung werden. Dazu braucht es Daten aus dem Gebäudebetrieb. Bild: Synavision

Bei Geothermie-Anlagen und Doppelfassaden dauerte es einst zehn Jahre, bis umfangreiche Forschungsprojekte zeigten, wie man sie richtig plant und baut. Dies kann sich die Sparte Gebäudeautomation nicht leisten. Vor dem Hintergrund der Taxonomie-Verordnung der EU muss der Bausektor zudem schneller darin werden, Gebäude richtig zu modernisieren. Um diese steile Lernkurve zu erreichen, brauchen wir die Daten aus dem Betrieb. Meiner Erfahrung nach haben gerade junge Leute in der Fachplanung den Wunsch, nachhaltige Gebäude zu planen, die wirklich funktionieren. Sie scheuen sich nicht davor, ihre Arbeit von anderen überprüfen zu lassen, weil sie aus ihren Fehlern lernen wollen.

Hightech oder Lowtech?

Befürworter der Hightech-Variante im Gebäudebetrieb wünschen sich Automatisierung bis in den letzten Winkel, um die optimale Performance zu erreichen. Lowtech-Freunde hingegen sagen, es sei besser, weniger Technik einzubauen und träge Massen und dicke Wände zu nutzen.

Erfahrungsgemäß geht es bei dieser Debatte nicht um eine Grundsatzentscheidung. Beide Herangehensweisen haben ihre Vorteile und Grenzen. Das Entscheidende ist, dass man den verwendeten Ansatz gut beherrscht und am Ende alles funktioniert. Der Rat lautet, keine Ideologie daraus zu machen, sondern sich zu überlegen, welche Anlagen sich sicher in einen erfolgreichen Regelbetrieb führen lassen. Den Erfolg kann dann das technische Monitoring zeigen.

Dipl.-Ing. Stefan Plesser

Dipl.-Ing. Stefan Plesser
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· Artikel im Heft ·

Mehr Effizienz im Gebäudebetrieb
Seite 46 bis 47
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