Krankenhaushygiene

Mit Sanitärtechnik Keime eliminieren

Die Sanitärtechnik in Krankenhäusern steht unter besonderer Hygienebeobachtung. Das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg stellt höchste Ansprüche an Hygieneleistungen im Sanitärbereich und effiziente Beschaffung.

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Das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg gemeinnützige GmbH ist das größte konfessionelle Krankenhaus in Niedersachsen und Maximalversorger mit rund 185.000 Patientenkontakten im Jahr. Bild: Diako Rotenburg
Das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg gemeinnützige GmbH ist das größte konfessionelle Krankenhaus in Niedersachsen und Maximalversorger mit rund 185.000 Patientenkontakten im Jahr. Bild: Diako Rotenburg

Funktional, barrierefrei für alle Altersgruppen, patienten- und nicht zuletzt coronagerecht sollen moderne Sanitärarmaturen in öffentlichen Räumen sein. Für Einrichtungen des Gesundheitswesens wie Krankenhäuser gelten darüber hinaus seit jeher die höchsten Hygieneanforderungen. Gert-Peter Schaper, technischer Leiter des Diakonie-Krankenhauses in Rotenburg/Wümme, setzt auf erprobte Standards in der Sanitärtechnik, vorbeugende Maßnahmen und Tests sowie effiziente und kostenbewusste Strategien.

„Die technischen, qualitativen und baulichen Anforderungen an moderne Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen werden immer vielfältiger“, sagt Ingenieur Gert-Peter Schaper. Bei der Planung in Neubau und Bestand seien zudem gesetzliche Vorgaben seitens des zuständigen Landkreises Rotenburg bzw. vom Land Niedersachsen einzuhalten. Bei den Aufgaben des technischen Krankenhausmanagements gehe es in Rotenburg/Wümme immer auch um krankenhausspezifische Aufgaben wie Planung, Bau und Instandhaltung der technischen und medizinischen Geräte, der Lüftungs- und Heizungsanlagen sowie des gesamten Bereichs der Ver- und Entsorgung für den täglichen Betrieb und für die Forschung, erzählt Schaper aus seiner Berufspraxis. Gerade bei den Geschäftsbereichen Logistik und Einkauf arbeite man zudem eng mit der Mutterkonzern Agaplesion gAG in Frankfurt/Main zusammen.

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Bild: HUSS-MEDIEN GmbH

Auswahlkriterien bei der Beschaffung

Kostenbewusster Einkauf gelte natürlich immer auch mit Blick auf die Sanitärtechnik und die eingesetzten Produkte. Momentan seien das in Rotenburg zumeist Hansa oder Grohe. Schnelle Verfügbarkeit, praktikable Umsetzung, Sicherheit bei der Ersatzteilversorgung und vernünftige Preise seien die wichtigen Gradmesser, ergänzt Schaper. Bei größeren Anschaffungen müssten die nötigen Etats mit der Frankfurter Zentrale abgestimmt und ab Investitionen über 5,1 Mio. Euro müsse europaweit ausgeschrieben werden. Bei der Vergabe zählten dann die Qualitätsansprüche mit 70 bis 80 % am meisten.

Bei Neubaumaßahmen, die zu Strukturverbesserungen führen, gebe es im Land Niedersachsen noch die Möglichkeit der Bezuschussung, erklärt Schaper. Anderswo wird über pauschale Zuschüsse pro Bett abgerechnet.

Ökonomische, ökologische und hygienische Aspekte bestmöglich zu koordinieren, bedeutet laut Schaper im Rahmen der Konzernstrategie auch, dass sehr bewusst bestimmte teurere Materialien, die hygienisch vielleicht noch „besser“ sind, nicht eingesetzt werden, sondern die Mittel eher in weitere Schulungen des Personals fließen, wie die entsprechenden Sanitärarmaturen optimal zu reinigen sind. Das Argument bei Agaplesion: Es sei besser, die persönliche Händedesinfektion in den Fokus zu stellen, statt allein auf tolle Materialbeschaffung mit noch weniger Keimbehaftung zu setzen.

In Rotenburg zum Standard zählen etwa WC-Anlagen ohne Spülrand, denn das bedeutet weniger Keime, weniger Putzen und weniger Geruchsbelästigung im Badezimmer. Einige Hersteller bieten Versionen mit patentierten Oberflächenfinishs an, die den Putzaufwand noch weiter reduzieren, darunter KeraTect (Keramag), Clean Coat (Laufen), WonderGliss (Duravit), Ideal Plus (Ideal Standard) oder der Perl-Effekt bei Kaldewei.

In dem Anfang des Jahres eröffneten Neubaukomplex des Klinikums Darmstadt mit 53 Betten und Hotelcharakter kamen spülrandlose WCs mit „Tornado Flush“-Spülung vom japanischen Hersteller Toto zum Einsatz. Mit einer so genannten Turbospültechnik soll die Aerosolbildung beim Betätigen der Spülung verhindert werden, heißt es vom Hersteller. „Mit dieser Spülung wird praktisch jeder Quadratzentimeter mehrfach gespült“, zitiert man dort den Hygienespezialisten Prof. Klaus-Dieter Zastrow. „Das Spülwasser dreht sich im Kreis und bleibt durch diese Bewegung in der Toilette. Man kann also sagen, dass sich durch diese Kreisbewegung weniger Keime im Badezimmer verbreiten können. Insofern eignet sich ein solches WC auch besonders gut für Krankenhäuser“, so Zastrow.

Bild: HUSS-MEDIEN GmbH
Bild: HUSS-MEDIEN GmbH

Edelstahl ist in vielen Krankenhauseinrichtungen das Standardmaterial, doch auch hier werden zunehmend neue Werkstoffe mit porenfreien Oberflächen als Alternative eingesetzt, um Keimen aufgrund besserer Ablaufeigenschaften noch weniger Chancen zu geben. Zu nennen sind kunstharzgebundene Mineralstoffe wie Miranit, das z. B. bei Waschbecken für die Handreinigung im OP eingesetzt wird. „Wir setzen auf eine Spezialglasur, die bei einer Temperatur von 1.250 °C dauerhaft mit der Keramik verbunden wird“, so der Hersteller Keramag.

Gebäudeautomation im Sanitärbereich

Eine durchdachte Gebäudeautomation erhöht auch im Sanitärbereich die Betriebssicherheit. Schaper aus Rotenburg: „Da alle Anlagendaten permanent zur Verfügung stehen, können Fehlfunktionen schneller bemerkt und sofort behoben werden, so dass ein reibungsloser Ablauf gewährleistet werden kann.“

„Angefangen vom tropfenden Wasserhahn bis zur gestörten OP-Vollklimaanlage ist das bei einer Bettenkapazität von 800 Betten ein ständiger Prozess des Abarbeitens entsprechender Informationen zu Fehlerquellen“, so Schaper.

Infektionsschutz gegen Corona

Einige Maßnahmen zum Schutz gegen Viren sind erprobt. So waren etwa Desinfektionsmittelspender in Wasch- und Gemeinschaftsräumen auch vor Corona schon Standard. Andere sind Neuland. „Als vorbeugende Maßnahme hieß bis vor kurzem noch, dass OPs in der Rotenburger Diakonie, wenn möglich, verschoben werden und keine Besucher ins Haus dürfen“, sagt Schaper. Bei niedrigen Inzidenzzahlen sind „maßvolle Lockerungen“ wieder möglich. Neben den weiter geltenden Hygiene- und Abstandsregeln müssen in der Rotenburger Diakonie aktuell (Stand 17.07.2021) negative Tests, Impf- oder Genesungsnachweise vorgelegt werden, die Besuchszahlen und -zeiten sind begrenzt und zu ambulanten Sprechstunden sollte man nur allein kommen.

„Außerdem wurde in den Zimmern die Zuluft etwas gedrosselt“, so Schaper, „um quasi einen leichten Unterdruck zu erzeugen und somit eine Keimverschleppung durch Aerosole weiter auszubremsen.“

Hans-Jörg Werth

Hans-Jörg Werth
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Artikel Mit Sanitärtechnik Keime eliminieren
Seite 30 bis 32
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