05/2022: Editorial

Neues Denken braucht das Land!

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Pop-up Radweg in Leipzig, der 2021 während der Corona-Pandemie installiert wurde. Bild: stock.adobe.com/Uwe
Pop-up Radweg in Leipzig, der 2021 während der Corona-Pandemie installiert wurde. Bild: stock.adobe.com/Uwe

Liebe Leserinnen und Leser,

Anfang Mai in Präsenz und gut besucht in Berlin, drehte sich das TGA-Wirtschaftsforum 2022 um zentrale wirtschaftliche Probleme und Lösungen - und zeigte Zeichen eines Wandels vom linearen zum systemischen Denken.

Fachkräftemangel und Lieferkettenrisse hätten die Branche bereits zuvor beschäftigt, der Ukraine-Krieg verschärfe die Situation mit exorbitanten Preissteigerungen, beschrieb BTGA-Hauptgeschäftsführer Günter Mertz zunächst die Lage.

Die Klimaschutzziele der Bundesregierung hätten sich von ambitioniert zu unerfüllbar gewandelt, während der Bereich Förderung skurrile Züge angenommen habe. Die Wohnungswirtschaft verschiebe 60 % der Wohnungsbauvorhaben, zugleich bleibe die Sanierungsquote im Bestand niedrig. „Trotz allem ist Resignation ein schlechter Ratgeber“, hielt er aber dagegen. Die Unternehmen müssten gemeinsam mit der Politik Lösungen im Bausektor entwickeln – gewerkeübergreifend und interdisziplinär.

Dass man beim BTGA nicht dem Pessimismus erliegen will, zeigte auch die Einladung des Zukunftsforschers Matthias Horx zu dem Forum. Sein Thinktank befasst sich u. a. mit der Entwicklung von Visionen, auch für den Bausektor. Die Krisen, die uns in Atem halten, sind keine getrennten Phänomene, sagt er sinngemäß, sondern Zeichen eines Gesamttrends. Aber man sollte dem „Problem-Troll“ in unseren Köpfen, der immer Gründe findet, warum etwas gerade nicht geht und/oder in die Katastrophe führt, keinen Glauben schenken, sondern die Chancen sehen und Wege gehen, die sich eröffnen. Städte, die während der Pandemie Neues probiert haben, z. B. bei Tourismus und Mobilität, werden nicht zum früheren Zustand zurückkehren. Zugleich hat sich das Verhältnis von Stadt und Land zusammen mit unseren Arbeitsformen radikal geändert. Der Abschied von russischem Öl und Gas beschleunigt die Energiewende in potenziell lebensrettendem Maßstab. Wir haben keinen Mangel an Rohstoffen, wir suchen sie nur an der falschen Stelle. Umbauen ist oft besser als Abriss und Neubau. Gebäudetechnik, für die vielleicht Teile fehlen, kann auf ein leichter instandzuhaltendes Maß schrumpfen, wenn Gebäude, Grundrisse, Fertigungsformen neu gedacht werden. Denken Sie mit und dann weiter!

Ihre

MSc, Dipl.-Ing. Silke Schilling

Dipl.-Ing. Silke Schilling
Chefredakteurin
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· Artikel im Heft ·

Neues Denken braucht das Land!
Seite 3
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