FH Münster

23. Sanitärtechnisches Symposium 2024

Starkregen und Gebäudeentwässerung, Neues bei relevanten Normen, Erfahrungen mit der neuen Trinkwasserverordnung - das 23. Sanitärtechnische Symposium an der FH Münster stieg wieder voll ein.

In seinem Grußwort zur Eröffnung des Symposiums berichtet Prof. Dr.-Ing. Bernd Boiting, Dekan des Fachbereichs Energie | Gebäude | Umwelt der FH Münster, die Hochschul-News des zurückliegenden Jahres. Bild: HUSS MEDIEN
In seinem Grußwort zur Eröffnung des Symposiums berichtet Prof. Dr.-Ing. Bernd Boiting, Dekan des Fachbereichs Energie | Gebäude | Umwelt der FH Münster, die Hochschul-News des zurückliegenden Jahres. Bild: HUSS MEDIEN

Das Sanitärtechnische Symposium an der FH Münster drehte sich in diesem Jahr um Regenwasser und Gründächer sowie die Entwässerung im Gebäude und Außenbereich. Großes Thema waren auch Änderungen an relevanten Normen, erste Erfahrungen mit der neue Trinkwasserverordnung und die Theorie und Praxis der Trinkwasserhygiene.

Das Sanitärtechnische Symposium hat sich seit seiner Erschaffung zu einem starken Anziehungspunkt auch für die Unternehmen der Sanitärbranche entwickelt, nicht zuletzt weil viele ehemalige Absolventen der Fachhochschule in diesen Unternehmen tätig sind. Hier trifft man alte Bekannte, Beziehungen werden gepflegt, Kontakte aufgefrischt und neu geknüpft.

Das Symposium, das mit einem Aussetzer in der Coronazeit seit 2001 jedes Jahr stattgefunden hat, wird organisiert von der TAFH Münster und richtet sich an alle Baubeteiligten, insbesondere aber an die Fachplanenden der TGA, an Bauingenieure, ausführende Unternehmen, Facility Manager und Betreiber großer Liegenschaften.

Duales Studium, neue Professuren

In seinem eröffnenden Grußwort gab Dekan Prof. Dr.-Ing. Bernd Boiting einen Überblick über aktuelle Entwicklungen in seinem Fachbereich Energie | Gebäude | Umwelt, in dem es nach einem pandemiebedingten Absacken mit einem neuen Ansatz und viel Netzwerkarbeit gelang, die Studierendenzahlen wieder auf ein ansehnliches Niveau zu heben.

Der Fachbereich pflegt eine enge Zusammenarbeit mit der Industrie und bietet seit dem Wintersemester 2022 das völlig neu entwickelte duale Studium an. Seit Ende 2022 lässt sich dort unter anderem der duale Bachelor Gebäudetechnik mit sieben Semestern belegen. Für die Unternehmen sei die Zusammenarbeit beim dualen Studium ein sicherer Weg, Fachkräfte zu bekommen, sagt Boiting. Die Zahl der kooperierenden Unternehmen stieg im vergangenen Jahr von 36 auf 63, Ziel seien 100-200. Von den aktuell 125 Studierenden im Fachbereich sind 25 (das heißt 20 %) dual dabei.

Zu den weiteren Neuerungen des zurückliegenden Jahres gehört eine Reihe frisch besetzter Professuren: Für die Themenbereiche Nachhaltigkeit, Energiespeicher, Digitales Planen und BIM in der TGA sowie Regenerative Energien und grüner Wasserstoff wurden vier Expert:innen dazu gewonnen.

Die neuen Regenwassermassen sammeln und entsorgen

Um die Frage „Was tun bei zunehmendem Starkregen?“ drehten sich die ersten Vorträge. Wie Klimawandel, Dürre und Überschwemmungen wird er uns in den nächsten Jahren weiter begleiten.

Thomas Junghänel, der beim Deutschen Wetterdienst an den Starkregendaten für Deutschland – neu in KOSTRA-DWD-2020 – mitarbeitet, erklärte, was sich gegenüber der früheren Fassung von 2010 geändert hat und wie die Starkregenstatistik überhaupt zustande kommt. Nicht alle Veränderungen beim neuen Datensatz, der seit 01.01.23 gilt, gehen auf den Klimawandel zurück, klingt dabei durch, vieles ist auch einer geänderten, d.h. genaueren Datenbasis und kleineren Rastern geschuldet.

Technische Lösungen müssen die veränderten Ausgangsbedingungen berücksichtigen. Dabei ist etwa die Dachentwässerung von begrünten Retentionsdächern ein Thema. Wie sie berechnet werden, erklärte Rainer Pieper, Sita Bauelemente GmbH, und lieferte damit eine Fortsetzung seines Vortrags vom Vorjahr, in dem es um die technische Ausführung ging.

Was die Normung, in diesem Fall die relevanten Teile der DIN 1986-100: Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke, dazu sagt, sah sich Sven Pack vom Stadtentwässerungsbetrieb Düsseldorf an, der auch im Normenausschuss zur DIN tätig ist. Zu den Änderungen gehört natürlich, dass die neuen Kostradaten für den Bemessungsregen anzuwenden sind. Die stellt der DWD kostenfrei über sein Climate Data Center unter www.dwd.de/kostra zur Verfügung. Kostenfreie Software für die Anwendung gibt es ebenfalls.

Bei der DIN 1986-100 blieb auch Prof. Dr.-Ing. Carsten Bäcker, FH Münster. Dabei warf er u.a. einen Blick in die Geschichte, denn die Norm feiert 2028 ihren 100. Geburtstag und soll bis dahin sozusagen runderneuert werden. Bei ihrer Entstehung hatte sie offenbar nur fünf Seiten, heute sind es weit über 100.

Trinkwasserhygiene und -installation

Gerade einmal sechs Monate hat die neue Trinkwasserverordnung auf dem Buckel. Was sich geändert hat, was Betreiber beachten müssen und wie Sachverständige die neue Fassung in der Praxis beurteilen, fasste Dr. Ulrich Borchers vom IWW Zentrum Wasser, Mülheim an der Ruhr, und Experte aus der Trinkwasserkommission, zusammen.[1]

Damit befand man sich direkt wieder in der Praxis. Mit den technischen Fragen und betrieblichen Risiken rund um die Trinkwasserqualität und die Erreichung der Schutzziele befassten sich die Vorträge des abschließenden Blocks von Prof. Dr.-Ing. Carsten Bäcker, Prof. Dipl.-Ing. Bernd Rickmann und Prof. Dr. Franz-Peter Schmickler.

Nachlese

Das Symposium war erneut ausgebucht. Die Diskussionen, die an jeden Vortrag anschlossen und sich auch im Foyer fortsetzten, ließen großes Interesse, aber auch diverse Betroffenheiten und Probleme anklingen, mit denen sich die Praktiker in ihrer täglichen Arbeit konfrontiert sehen.

Für diejenigen, die noch einmal rekapitulieren wollen oder sich keinen Platz sichern konnten, stehen die Vortragsfolien auf der Webseite der FH Münster zum Download bereit.

Save the Date

Schon Mal vormerken: Im kommenden Jahr wird das Symposium am 04. April stattfinden. (Sc)

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