Wirtschaft

Asercom Convention 2022

Mit der F-Gas-Revision und dem drohenden Verbot von PFAS standen bei der Asercom Convention in Brüssel wichtige Themen auf der Agenda.

Die sogenannten Ewigkeitschemikalien aus der PFAS-Gruppe (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) werden verboten. Quelle: stock.adobe.com/Chris Anton
Die sogenannten Ewigkeitschemikalien aus der PFAS-Gruppe (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) werden verboten. Quelle: stock.adobe.com/Chris Anton

Ein besonderes Highlight setzte Sandrine Dixson-Declève, die Co-Präsidentin des Club of Rome, mit Ihrer Keynote zu Herausforderungen und Lösungen einer weltweiten Industrie- und Klimapolitik unter dem Gesichtspunkt sozial verträglichen Wachstums. Sie warb unter anderem für ihr Modell einer nachhaltigen, diversifizierten und resilienten Industry 5.0. Alle Entscheider seien eingeladen, diesen Weg gemeinsam zu gestalten.

Die vorgesehenen Regulierungsvorhaben im Bereich F-Gas und PFAS enthalten viele Herausforderungen für die Unternehmen der Kälteindustrie, die sich in Asercom zusammengeschlossen haben. Bente Tranholm-Schwarz von DG Clima macht auf der Convention klar, dass es bei den neuen Zielen keinen Spielraum für den F-Gas Phase-Down geben wird.

F-Gas Revision

Der mit Spannung erwartete Vortrag von Bente Tranholm-Schwarz gab einen Überblick über die Grundzüge des Kommissionsvorschlags zur anstehenden EU F-Gas Revision. Diese notwendige Überarbeitung leite sich aus den Klimazielen der EU „Fit for 55“ ab. Es gelte, die CO2-Emissionen der EU bis 2030 um 55 Prozent zu reduzieren, so Tranholm-Schwarz. Die EU solle die Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz und Reduzierung der F-Gase übernehmen. Wenn die EU erfolgreich agiert, würden andere Länder diesem Vorbild sicherlich folgen. Die europäische Industrie übernehme weltweit die Führungsrolle bei zukunftsweisenden Technologien und profitiere entsprechend. Insbesondere das Wissen über die Verwendung von Kältemitteln mit geringen GWP Werten bei Komponenten und Anlagen generiere einen Wettbewerbsvorteil der europäischen Komponenten-Hersteller im globalen Wettbewerb.

Nach Ansicht von
Asercom sind diese doch teilweise drastischen Anpassungen mit sehr kurzer Zeitdistanz bis zum Inkrafttreten der F-Gas Revision äußerst ambitioniert. Die ab 2027 bzw. 2030 zur Verfügung stehenden CO2-Quoten stellen die Marktteilnehmer vor besondere Herausforderungen. Tranholm-Schwarz betonte aber in diesem Zusammenhang: „Wir versuchen, den Fachbetrieben und der Industrie ein deutliches Signal zu geben, worauf sie sich in Zukunft einstellen müssen. Wer sich nicht auf neue Gegebenheiten einstellt wird nicht bestehen.“

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion ging es auch um die berufliche Bildung und Weiterbildung. Tranholm-Schwarz als auch
Asercom sind sich einig, dass die Aus- und Weiterbildung der Fachmonteure und des Service-Personals der Kälte-Klima-Wärmepumpen Fachbetriebe Priorität haben muss. Der stark wachsende Wärmepumpen Markt wird die Fachbetriebe besonders fordern. Hier besteht kurzfristiger Handlungsbedarf.

Aus für PFAS

Frauke Averbeck von der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) arbeitet gemeinsam mit norwegischen Kollegen federführend für die EU an einem umfassenden Verbot von PFAS (Forever Chemicals) im Rahmen der Reach Verordnung. Beide Verordnungen werden nicht nur die Auswahlmöglichkeiten bei Kältemitteln dramatisch beschränken. Es werden auch weitere für die Industrie notwendigen Produkte, die PFAS enthalten, betroffen sein.

Frauke Averbeck erläuterte in ihrem Impulsvortrag zum Thema Reach und PFAS den Plan der deutschen und norwegischen Umweltbehörden, die Stoffgruppe PFAS im Wesentlichen zu verbieten. Diese Chemikalien würden in der Natur nicht abgebaut, man beobachte seit Jahren stark steigende Werte in Oberflächen- und Trinkwasser – und zwar weltweit. Von diesem Verbot wären aber auch beim derzeitigen Kenntnisstand einige Kältemittel betroffen. Averbeck stellte den aktuellen, revidierten Zeitplan vor. Sie erwarte eine Umsetzung bzw. das Inkrafttreten der Verordnung voraussichtlich ab 2029.

Asercom wies abschließend deutlich darauf hin, dass die Revision der F-Gas-Verordnung einerseits und die Unsicherheit hinsichtlich des drohenden Verbots von PFAS andererseits, für die Industrie keine hinreichende Planungsgrundlage biete. „Mit den parallellaufenden, nicht miteinander synchronisierten Regulierungsvorhaben entzieht die Politik der Industrie jegliche Planungsgrundlage“, sagt ASERCOM Präsident Wolfgang Zaremski. „Die Asercom Convention 2022 hat viel Licht ins Dunkel gebracht, zeigt aber auch, dass die Industrie mittelfristig Planungssicherheit von der EU erwartet.“

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