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Bundesbauministerin besucht Solarthermie-Kraftwerk in Potsdam

Am Donnerstag besuchte die Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Klara Geywitz, die Solarthermieanlage der Stadtwerke Potsdam auf dem Gelände des Heizwerks Potsdam Süd.

Bundebauministerin Klara Geywitz (Mitte), begleitet von Burkhard Exner (Bürgemeister Potsdam, Links) und BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig (rechts) informiert sich zur Funktionsweise eines Vakkumröhrenkollektors. Foto: Huss Medien GmbH
Bundebauministerin Klara Geywitz (Mitte), begleitet von Burkhard Exner (Bürgemeister Potsdam, Links) und BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig (rechts) informiert sich zur Funktionsweise eines Vakkumröhrenkollektors. Foto: Huss Medien GmbH

Die Solarthermieanlage der Ritter Energie und Umwelttechnik GmbH & Co KG am Standort Potsdam Süd ging im Dezember 2019 in Betrieb. Mit 5.157 m2 Bruttokollektorfläche und 1.044 Vakkumröhrenkollektoren war sie zu dem Zeitpunkt eine der größten Solarthermieanlagen Deutschlands. Die Leistung der Anlage beträgt 3,1 MW, jährlich lassen sich so auf dem Gelände des ehemaligen Heizwerks 2,3 GWh Wärme erzeugen und 488 t CO2 einsparen.

Vakkumröhrenkollektoren der Solarheizanlage Stadtwerke Potsdam. Quelle: Ritter Energie
Vakkumröhrenkollektoren der Solarheizanlage Stadtwerke Potsdam. Quelle: Ritter Energie und Umwelttechnik

Solarwärme kann eine wichtige Rolle für die Dämpfung der Energie- und Klimakrise im Wärmesektor spielen und u. a. auch die Effizienz von Wärmenetzen verbessern. Die Anlage in Potsdam ist Teil des Potsdamer Masterplan 100% Klimaschutz und Baustein einer künftig klimaneutralen Fernwärmeversorgung für die Landeshauptstadt.

Zunächst als Pilot errichtet, arbeitet sie nun seit Jahren zuverlässig und viel besser als angenommen, sagt Eckard Veil, Geschäftsführer der Energie und Wasser Potsdam GmbH. „Das Potsdamer Solarkraftwerk hat unsere Erwartungen übertroffen und integriert sich ausgezeichnet in unser Wärmenetz", so Veil. Für weitere Anlagen müssen jedoch Flächen her, zudem dauerten Genehmigungsverfahren zu lange. Davon sei wiederum abhängig, ob man Förderprogramme nutzen könne, die oft nur befristet zur Verfügung stünden und teils zu früh ausliefen.

Das frühere Kohleheizwerk wird zurzeit abgerissen, außer Betrieb ging es bereits in den 1990er Jahren, als die EWP zur Kraftwärmekopplung überging. Heute steht die nächste Transformation an, da nun auch das Gas aus der Wärmeerzeugung verschwinden soll.

70 % der Potsdamer Wohngebäude werden mit Fernwärme versorgt. Neben der Solarthermieanlage soll im Raum Potsdam künftig auch Geothermie genutzt werden, wie etwa am Standort Heinrich-Mann-Allee, den Klara Geywitz am Donnerstag ebenfalls besuchte. Perspektivisch lassen sich damit 20 % des Wärmebedarfs decken. Überdies stünde Umweltwärme, etwa aus Oberflächengewässern wie der Havel im Fokus der Überlegungen. Die Kraftwärmekopplung müsse man jedoch weiterhin verfolgen, denn all das reiche nicht, um den Bedarf zu decken. Dabei müssten Wasserstoff und synthetische Brennstoffe künftig das Erdgas ersetzen.

Die meisten Wohnungsgesellschaften und privaten Vermieter verließen sich auf die Stadtwerke, sagt Veil, wohl auch, weil Wärmepumpen im Bestand keine Option seien. Sie würden Flächenheizungen erfordern, um effizient zu arbeiten und dafür sei in Bestandsgebäuden kein Platz. "Die effizienteste Flächenheizung ist die Fußbodenheizung, dafür müssten wir im Plattenbau den Estrich abtragen oder einfräsen und das ist viel zu kostenintensiv." Deckenheizungen kämen nicht in Frage, da Wärme nach oben steige.

Wärmepumpen spielen im Wärmewendekonzept der Bundesregierung eine zentrale Rolle. Wie ihre Einführung vorangebracht werden kann, war Thema des Ende Juni durchgeführten Wärmepumpengipfels von BMWK und BMBSB mit Unternehmen und Verbänden der Wärmewirtschaft, des Handwerks, der Gewerkschaften und der Verbraucherschutzverbände. Einzelheiten zur Umsetzung sollen in den nächsten Wochen und Monaten besprochen werden, sagt Geywitz. Insgesamt bekennt sich die Bundesministerin jedoch nach wie vor zu einem technologieoffenen Ansatz bei der Wärmewende.

Solare Fernwärme in Deutschland

Rund 50 weitere solare Heizkraftwerke zur Nah- und Fernwärmeversorgung der Megawattklasse befinden sich nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) in Deutschland bereits im Betrieb. 50 weitere – teils deutlich größere – Solarkraftwerke befinden sich in Planung oder im Bau.

Vor dem Hintergrund explodierender Gaspreise ist das Interesse an den zumeist ebenerdig errichteten Solarthermie-Parks bei Energieversorgern und Stadtwerken nach BSW-Angaben zuletzt deutlich gestiegen. Die Solarkraftwerke seien in der Lage, Solarwärme bereits zum Preis von rund fünf Eurocent je Kilowattstunde hierzulande zu erzeugen. Auch nach Auffassung der Bundesregierung besitzen sie das Potenzial, langfristig entscheidend zur Wärmeversorgung Deutschlands beizutragen und diese weitgehend aus heimisch verfügbarer Energie zu sichern. 

„In den kommenden zehn Jahren wollen wir mit Hilfe von großen Solarkraftwerken und einer Vielzahl kleiner Solardächer rund zehn Prozent des heimischen Raumwärmebedarfs sowie nahezu 30 Prozent des Strombedarfs decken“, beziffert BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig die mittelfristigen Branchenziele.

Der BSW hat in diesen Tagen rd. 3.000 Entscheider*innen in deutschen Stadtwerken und Kommunen angeschrieben und unter Verweis auf die positiven Erfahrungen mit solaren Heizkraftwerken für einen beschleunigte Solarisierung der Fernwärmenetze geworben. Von der Bundespolitik wünscht sich die Branche ein schnelles Inkrafttreten der nunmehr wiederholt angekündigten Bundesförderung für Effiziente Wärmenetze (BEW) sowie eine deutliche Beschleunigung von Planungsprozessen.

Heute bereits weitaus verbreiteter als in großen Solarkraftwerken sind solarthermische Kollektoren auf den Dächern privater Immobilien. Bereits über 2,5 Mio. Haushalte nutzen nach BSW-Angaben in Deutschland Solarwärme zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung. Die Nachfrage war zuletzt sprunghaft gestiegen. Nach einer Anfang Mai im BSW-Auftrag durchgeführten YouGov-Repräsentativbefragung unter Immobilienbesitzer*innen plant jede*r Zehnte von ihnen in den kommenden 12 Monaten die Installation einer Solarheizung.

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