So nicht!

Energiesparen durch niedrigere Warmwassertemperaturen?

Ein Absenkung der Warmwassertemperatur kann die Gesundheit gefährden ohne den Geldbeutel zu schonen, warnt der Deutsche Verein der qualifizierten Sachverständigen für Trinkwasserhygiene e.V.

Wenn Sie Energie sparen wollen, mischen Sie weniger heißes Wasser an der Armatur hinzu. In der Trinkwassererwärmungsanlage selbst darf die Warmwassertemperatur legionellensichere 55 °C nicht unterschreiten. Foto: stock.adobe.com
Wenn Sie Energie sparen wollen, mischen Sie weniger heißes Wasser an der Armatur hinzu. In der Trinkwassererwärmungsanlage selbst darf die Warmwassertemperatur legionellensichere 55 °C nicht unterschreiten. Foto: stock.adobe.com

In der Presse kursieren derzeit Ratgeberbeiträge zu Energiesparmaßnahmen im privaten Bereich. Das ist verständlich. Die aktuellen globalen Krisen wie Ukraine-Krieg und der Klimawandel lassen derzeit die Preise für Energie und Lebensmittel in ungeahnte Höhen schnellen, bei der Gasversorgung droht gar ein Stopp.

Doch dabei wird hier und da auch empfohlen, die Warmwassertemperatur zu senken. Auch eine Verbraucherzentrale empfahl dies kürzlich. Vermieter springen gern auf den Zug auf. Falsch verstanden und umgesetzt, kann das aber ernste Folgen für die Gesundheit und enorme Folgekosten nach sich ziehen. 

Reduzierte Warmwassertemperaturen können das Wachstum von Legionellen fördern

Die deutsche Verfassung garantiert das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Während man bei reduzierten Raumtemperaturen lediglich friert, besteht bei zu niedrigen Warmwassertemperaturen jedoch eine ernstzunehmende Gefahr für Gesundheit und sogar Leben! Denn bei Wassertemperaturen zwischen 25 und 50 °C besteht ein erhöhtes Risiko auf Vermehrung von Legionellen und anderen krankheitserregenden Bakterien in der häuslichen Trinkwasserinstallation.

Wenn also in der Trinkwassererwärmungsanlage die Temperatur niedriger als die in den Regelwerken vorgeschriebenen 60 °C – 55 °C eingestellt wird, kann sich aufgrund der zwangsläufigen Auskühlung auf dem Weg zur Entnahmestelle und im zirkulierenden System die Temperatur auf unter 50 °C abkühlen und dem Wachstum von Legionellen und anderen krankheitserregenden Keimen Vorschub gewähren. Legionellen sterben erst in Temperaturbereichen oberhalb 55 °C ab, und nur bei über 60 °C geschieht das in genügend schnellem Maße.

Differenzierte Betrachtung erforderlich

Jede Trinkwasserinstallation mit ihrer Warmwasserbereitungsanlage ist individuell auf die Erfordernisse des Gebäudes abgestimmt und muss zum hygienisch sicheren Betrieb auch dauerhaft innerhalb dieser geplanten Rahmenbedingungen betrieben werden, um jedem Verbraucher hygienisch einwandfreies Trinkwasser zur Verfügung zu stellen.

Eine Kontamination mit krank machenden Mikroorgansimen auf Grund falsch umgesetzter Energiesparmaßnahmen muss anschließend mit erheblichem technischem oder organisatorischem Aufwand bekämpft werden, um eine Gesundheitsgefährdung der Nutzerinnen und Nutzer zu verhindern. Demzufolge sind unbedachte, laienhafte Handlungen und Eingriffe in solche Systeme als gesundheitsgefährdend einzustufen und ggf. mit unkalkulierbaren Folgekosten verbunden.

Will man später die Anlage wieder in einen bestimmungsgemäßen Betrieb setzen, sind beispielsweise aufwändige Gefährdungsanalysen, Reinigungen, Desinfektionen und Sanierungen die Folge. Die Kosten hierfür können dadurch den Einspareffekt schnell übersteigen.

Ebenso wenig zulässig ist ein zeitlich eingeschränkter Betrieb der Trinkwassererwärmung mit Zirkulation (Zeitschaltuhr), oder eine Betriebsweise mit abgesenkten Temperaturen (< 60/55 °C) in zentralen Großanlagen. Neben den gesundheitlich-hygienischen Risiken und entgegen der landläufigen Meinung wirkt eine tägliche temporäre Temperaturabsenkung letztendlich kaum Energie sparend, da für eine spätere Temperaturerhöhung ungleich mehr Energie eingesetzt werden muss.

Mögliche Auswege aus dem Dilemma

Konkrete Anforderungen und Hilfestellungen zur Außer- und Wiederinbetriebnahme von TrinkwasseiInstallationen bietet die Expertenempfehlung VDI/DVQST EE 3810 im Blatt 2.1. Eine fachgerechte Außerbetriebnahme von Trinkwasserinstallationen oder Teilen davon in Gebäuden obliegt ausschließlich geschultem Fachpersonal, das zuerst feststellt, was im individuellen Fall möglich ist und darüber informiert, welche Auswirkungen und Maßnahmen ggf. im späteren Betrieb erforderlich sind.

Wird in einem öffentlichen Gebäude, oder auch in Großanlagen z.B. über einen längeren Zeitraum kein Warmwasser benötigt, kann das Warmwassesrystem durchaus vollständig abschaltet werden. Hierbei sollte jedoch für eine aktive Auskühlung durch Ausspülen von Warmwasserspeicher und Rohrleitungen mit Kaltwasser gesorgt werden, da bei langsamem Auskühlen in den kritischen Temperaturbereichen zwischen 20 und 50 °C ein Bakterienwachstum gefördert wird.

Der Grundsatz „Wasser muss fließen“ gilt jedoch auch für Anlagen, die nur teilweise außer Betrieb genommen werden sollen. Hier muss überall im System ein regelmäßiger Wasseraustausch stattfinden, damit kein Wasser in den Leitungen steht (stagniert) und seine Trinkwasserqualität verlieren kann. Das bedeutet, dass auch bei abgeschalteter Trinkwassererwärmung die Zirkulationspumpe weiterhin für eine Umwälzung des Wassers sorgen und auch das (dann kalte) Wasser der Warmwasserleitungen regelmäßig durch Entnahme oder Spülung ausgetauscht werden muss. Das Ausspülen der Leitungen ist dabei keine Wasserverschwendung, sondern nur die notwendige Simulation der bestimmungsgemäßen Nutzung.

Kleinere Anlagen, z.B. Wohnungen mit Gasthermen, Durchlauferhitzer oder Kleinspeicher, sind in Bezug auf potentielle Energie-Einsparung durchaus im Vorteil. Diese können mit wenig Aufwand auch zeitweise außer Betrieb genommen werden.

In jedem Fall gilt: Wird über mehrere Tage hinweg kein Warmwasser benötigt, ist es besser, die Erwärmung komplett abzuschalten, als sie bei niedrigen Temperaturen weiterlaufen lassen.

Am meisten Energie kann jedoch gespart werden, wenn die Leitungen und Einbauteile ordnungsgemäß gedämmt sind, wenn klein dimensionierte Anlagen verbaut werden und die Systeme richtig einreguliert und instandgehalten sind.

Energie sparen an der richtigen Stelle

  • Lassen Sie Warmwasser beim Zähneputzen oder an der Spüle nicht zu lange laufen.
  • Reduzieren Sie die Duschtemperatur an der Armatur um 2 °C, d.h. mischen Sie weniger heißes Wasser dazu als Sie es normalerweise tun.
  • Reduzieren Sie die Duschzeit und -häufigkeit.

Wenn Sie nicht 15 min bei 40 °C sondern nur noch 5 min bei 38 °C duschen, sparen Sie immens viel Energie und Wasser, und das bei gesundheitlich sicheren Temperaturen von 55 bis 60 °C in der Warmwasserleitung.

  • Lassen Sie Trinkwassererwärmer reinigen und temperaturhemmende Kalkablagerungen entfernen; ersetzen Sie groß dimensionierte Warmwasserspeicher durch kleinere Modelle oder Durchfluss-Trinkwassererwärmer.
  • Lassen Sie alte, überdimensionierte Zirkulationspumpen gegen effizientere Modelle austauschen.
  • Lassen Sie Warmwasserleitungen mit ihren Einbauten ordnungsgemäß dämmen.

Um langfristig einen nachhaltigen, wirtschaftlichen und damit Energie sparenden Betrieb von Warmwasseranlagen zu gewährleisten, ist eine regelmäßige Instandhaltung unabdingbar. Verkalkte Wärmetauscher, überdimensionierte Anlagen und Leitungen, alte Pumpen, hydraulisch nicht abgeglichene sowie unzureichend gedämmte Trinkwasserinstallationen führen zu unnötig hohem Energieverbrauch und -kosten. So tragen technische Verbesserungen der Anlage erheblich dazu bei, die vorhandenen Energiequellen effizienter zu nutzen.

Bei Neubauten, Generalsanierungen und dergleichen sollte auf eine schlankere Dimensionierung und Verlegung von Rohrleitungen und Trinkwassererwärmer geachtet werden. Kritisch hinterfragt werden sollte ebenso die Anzahl von Waschbecken, Badezimmer oder Duschanlagen.

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