Nachwuchsförderung

Ingenieurausbildung bringt Lehre und Praxis zusammen

Kooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen in der ingenieurwissenschaftlichen Lehre nützen allen Beteiligten. Die Bandbreite wird künftig zunehmen. Dies zeigt eine Befragung des VDMA.

Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer - Quelle: VDMA
Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer - Quelle: VDMA

Eine VDMA-Befragung der Hochschulen im Maschinenbau, der Elektrotechnik und der Informatik zeigt erstmals, wie groß die Bandbreite von Kooperationen in der ingenieurwissenschaftlichen Lehre ist: Hochschulen und Unternehmen arbeiten in der Ingenieurausbildung in sechzehn unterschiedlichen Kooperationsformen zusammen. Diese reichen von Studien- und Abschlussarbeiten bei Unternehmen über duale Studiengänge bis hin zu studienintegrierten Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Zudem zeigt die Befragung, dass künftig mit einer steigenden Zahl von Kooperationen zu rechnen ist.

Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA, fordert den weiteren Ausbau von Kooperationen in der Lehre: „Gerade bei den Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 bieten Kooperationen in der Lehre neue Möglichkeiten und große Chancen. Denn nur durch den kontinuierlichen Wissenstransfer kann die Ingenieurausbildung den Anforderungen aus der Praxis gerecht werden und zugleich ihren wichtigen Beitrag für Innovationskraft leisten.“ Deshalb sollten Anreize geschaffen werden, sich für Kooperationen mit Unternehmen zu engagieren. Politik und Hochschulen seien gleichermaßen gefragt: „Gute Lehre und Investitionen im Lehrbereich müssen eine hohe Priorität haben“, fordert Rauen. Aktuell, so zeigt die Befragung, honorieren Hochschulen die Anbahnung oder Umsetzung von Kooperationen durch ihre Beschäftigten meist nicht explizit. Der weit überwiegende Teil der Befragten gibt an, dass es hierfür keine speziellen Anreize wie Leistungszulagen oder Deputatsanrechnungen gibt. „Hochschulen sollten Praxiskooperationen in der Lehre als wichtige strategische Ziele verankern und entsprechende Anreize für Studiengänge und Lehrende setzen“, unterstreicht Rauen.

Nach Einschätzung der befragten Hochschulen findet man kleinere und mittlere Unternehmen bereits heute in allen Kooperationsformen. Diese beschränken sich aber meist auf die vier häufigsten, an denen sich 70 % der KMU beteiligen: Studien- und Abschlussarbeiten bei Unternehmen, Praktika und Praxissemester, Besichtigung von Unternehmen sowie Lehraufträge von Unternehmensvertreterinnen und -vertretern an Hochschulen. Bei vielen anderen Kooperationsformen liegt deren Beteiligung aber meist weit unter 30 %. „Hier ist noch Luft nach oben“, betont Rauen. „Auch KMU bieten viele attraktive Ausbildungs- und Arbeitsumgebungen für Studierende.“ Die Untersuchung zeige, dass KMU noch nicht alle Möglichkeiten gleichermaßen nutzen. Eine Hilfestellung könne sein, wenn lokale Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in den Hochschulen und Unternehmen identifiziert und Informationen zu Lehrkooperationen bereitgestellt werden.

Die Befragung, an der sich 82 Dekanate beteiligten, zeigt, dass sowohl Studiengänge, Studierende und Unternehmen von der Zusammenarbeit profitieren: Problemstellungen aus der Praxis sind ein großer Motivationsfaktor für Studierende und ermöglichen es, die Theorie in der praktischen Umgebung zu reflektieren. Zudem erhalten Professorinnen und Professoren die direkte Rückkopplung zu den Bedarfen aus der Industrie und die Möglichkeit zur Netzwerkbildung. Für Unternehmen sind Lehrkooperationen ein wichtiger Recruitingkanal, um frühzeitig Studierende an das Unternehmen zu binden. Wichtig für die erfolgreiche Umsetzung der Kooperationen sind laut der Befragten feste Ansprechpartnerinnen und -partner, die sich regelmäßig über ihre Erwartungen austauschen und klare Vereinbarungen und gemeinsame Zielsetzungen treffen. „Wir wollen die besten Maschinen der Welt bauen, dazu benötigen wir die besten Köpfe. Als wichtigster Ingenieurarbeitgeber tragen wir als Maschinenbauindustrie mit Verantwortung für eine bestmögliche Lehre und suchen die Kooperation“, resümiert Rauen.

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