Wirtschaft

Rohstoffengpässe betreffen auch Bauwirtschaft

Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Felix Pakleppa zu den Auswirkungen des russischen Angriffs auf die Ukraine für das Baugewerbe.

stock.adobe.com/By Jürgen Fälchle
stock.adobe.com/By Jürgen Fälchle

„Die deutschen und europäischen Sanktionen gegen Russland sind richtig und werden von der deutschen Bauwirtschaft nachdrücklich unterstützt. Die Sanktionen führen aber auch zu Belastungen der heimischen Bauwirtschaft, die getragen werden müssen. Die Folgen des russischen Krieges auf die Bautätigkeit in Deutschland werden von Tag zu Tag sichtbarer. Es ist daher ein Gebot der Vernunft, die negativen Auswirkungen auf heimische Betriebe und Arbeitsplätze so gering wie möglich zu halten.“

Aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine und der weltweiten Sanktionen gegen Russland drohen Lieferengpässe und deutliche Preissteigerungen bei vielen Baustoffen. Bereits jetzt ist ein signifikanter Anstieg der Preise bei dem vor allem im Straßenbau notwendigen Bitumen sowie bei Stahl erkennbar.

Durch die Abhängigkeit zentraler Raffinerien von Lieferungen aus Russland droht ein Ausfall von bis zu einem Drittel der hiesigen Bitumenversorgung, mit entsprechenden Auswirkungen auf den deutschen Straßenbau.

Darüber hinaus berichten Bauunternehmen über deutliche Preissteigerungen bei Stahl bzw. bei Stahlerzeugnissen. Rund 30 % des Baustahls kommen aus Russland, der Ukraine und Weißrussland. Hinzu kommt der hohe Anteil von Roheisen (40 % aus diesen Ländern) und diverser weiterer Rohstoffe, die für die Stahllegierung notwendig sind (Nickel 25 % und Titan 75 %).

„Unsere Mitgliedsunternehmen erhalten aktuell nur noch wenige Angebote für Stahlmatten, Träger, Stabstahl und Bleche. Auch Rohre und Aluminiumprodukte sind betroffen. Die Hersteller von Leitplanken für Straßen haben ihre Lieferungen eingestellt,“ erläuterte Pakleppa.

„Vor dem Hintergrund dieser Situation brauchen wir unbürokratische Maßnahmen zur Sicherung der Bautätigkeit in Deutschland. Notwendig ist die sofortige Einführung von Stoffpreisgleitklauseln, auch für laufende Verträge, um wichtige Bauaufgaben fortführen zu können. Wir brauchen daher schnell vertragsspezifische Lösungen, um der aktuellen Destabilisierung durch die Rohstoffkosten entgegen zu wirken. Schlussendlich müssen wir uns aber, wie bei Gas, von der Abhängigkeit von wenigen Anbietern befreien. Dieses muss dringend in einer nationalen Rohstoffstrategie münden,“ so Pakleppa abschließend.

Printer Friendly, PDF & Email
25.03.2022
ZDB
Laut Statistischem Bundesamt stieg der Umsatz des Bauhauptgewerbes im Januar 2022 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 20 %. Dennoch warnt das deutsche Baugewerbe vor einem schwierigen Jahr angesichts...
28.06.2021
Konjunktur Bauwirtschaft
Lieferschwierigkeiten im Baugewerbe erschweren den Baustellenbetrieb.
24.05.2022
KfW Research
Die Folgen des Krieges in der Ukraine sind bereits jetzt für viele mittelständische Unternehmen in Deutschland deutlich spürbar. Das zeigt eine repräsentative Sonderbefragung von KfW Research im Mai...
26.03.2021
Konjunktur Bauwirtschaft
Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), äußert sich zu den vorgelegten Zahlen des Statistischen Bundesamts, zur Baukonjunktur im Januar 2021.
07.05.2021
Wirtschaft
Die Lieferengpässe bei Baumaterialien versetzen die Bauwirtschaft zunehmend in Sorge.
20.07.2021
Expertenbefragung Bau-, Chemie- und Werkstoffbranche
Steigende Rohstoffpreise stellen Industrieunternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Momentan gleichen jedoch noch zu wenige dies mit eigenen Preiserhöhungen aus, wie eine aktuelle Simon-Kucher...